Clint Bajakian

Interviews

Clint Bajakian
Gesprächspartner: Luc 'LGH' Gilbertz
Sprache:
Vom: 06.08.2003

Über

Clint Bajakian war an der Musik-Produktion zahlreicher LucasArts Spiele beteiligt, so z.B. an Monkey Island 2, Fate of Atlantis, Day of the Tentacle, Sam and Max, Dark Forces... Er hat weiterhin auch den gesamten Soundtrack des preisgekrönten Western-Shooters Outlaws komponiert. Kürzlich hat seine Firma The Bay Area Sound Department (BA-Sound) die Musik von Escape from Monkey Island und von Indiana Jones and the Emperor's Tomb produziert.

Allgemeines



Adventure-Treff: "Hallo! Könntest Du dich zuerst kurz vorstellen? Wie bist Du in der Welt der Musik gelandet?"

Clint Bajakian: "Mein Name ist Clint Bajakian. Im Alter von 8 Jahren erhielt ich in Massachusetts Klavier- und Euphonium-Unterricht. Ich spielte in einer Marching Band von Klasse 5-8, anschließend begann ich mit Gitarre und spielte von 1977 bis 1984 in einigen Rock-Bands. 1982 begann ich mein Studium in dem "New England Conservatory of Music" in Boston und erreichte ein "Double-Bachelor of Arts degree" in Musik-Theory und klassischer Gitarre. 1991 erhielt ich ein "Masters of Music degree" in Musik Komposition an der Universität von Michigan. Dieses Studium erreichte seinen Höhepunkt mit einem orchestralen Werk das öffentlich aufgeführt wurde. Im gleichen Jahr erhielt ich einen Anruf von Michael Land, einem alten Freund, mit dem ich seit 1976 Musik spielte. Er lud mich ein, mit ihm und Peter McConnell, ebenfalls einem alten Freund, Musik für LucasArts (damals Lucasfilm Games) zu komponieren. Meine Verlobte und ich machten uns auf den Weg. Wir verließen Michigan und ich arbeitete mehrere Monate an Monkey Island 2: LeChuck's Revenge und an Indiana Jones and the Fate of Atlantis. In 1993 erhielt ich einen Vollzeit-Job bei LucasArts, wo ich bis Mai 2000 blieb, bevor ich dann meine eigene Musik- und Sound-Produktionsfirma namens C.B. Studios gründete."

A-T: "Wie erhielst du den Job bei LucasArts?"

Clint: "1991 wurde eine durchgehende MIDI Musikuntermalung die Norm in Computerspielen. Michael Land, ein High-School-Freund von mir, hatte damals die Funktion eines 'Ein-Mann-Sound-Departments' bei LucasArts, bis plötzlich das Bedürfnis nach Musik so rasch anwuchs, dass er sich an Peter McConnell und mich selbst wenden musste, um ihm beim Komponieren auszuhelfen. Diese Arbeit verrichtete ich als freischaffender Mitarbeiter. Meine Arbeit an zwei weiteren Titeln führte schließlich dazu, dass mir 1992 ein Vollzeit-Job angeboten wurde, den ich im Januar 1993 mit der Arbeit an Star Wars: Tie Fighter und Maniac Mansion 2: Day of the Tentacle antrat."

A-T: "Was kannst Du uns über Indiana Jones and the Fate of Atlantis und Star Wars: Dark Forces erzählen? War es schwierig, etwas Neues zu schreiben, aber gleichzeitig auch den Stil und die Themen von John Williams respektieren zu müssen?"

Clint: "Die Musik von John Williams war immer eine große Inspiration für mich. Seine Fähigkeit dramatische Szenen zu unterstreichen war vorbildlich. Es war ein großes Vergnügen und eine gute Lernerfahrung seinen Stil in meiner Arbeit nachzuahmen, besonders bei lizenzierten Titeln die auf seinen Filmen basierten. Obwohl ich stets versuche, meine eigene "innere Stimme" zu entwickeln und meinen Stil zu finden, sehe ich seine Art und Weise mit musikalischer Dramatik umzugehen als einen zentralen Wegpunkt in meinem orchestralen Komponieren."

Outlaws



A-T: "Outlaws hatte einen umwerfenden Soundtrack! Die Musik und die Sound-Qualität waren für die damalige Zeit überwältigend. Was kannst Du uns über die Musik-Produktion dieses Spiels verraten?"

Clint: "Als ich den Produktionsprozess plante, wurde mir klar, dass ich ein kleines Produktionsteam brauchte und engagierte etliche Live-Musiker. Es war ein gewisser Bruch mit der damals eher verbreiteten "Komponist tut alles"-Vorgehensweise. Ich nahm die Talente von Hans Christian Reumschussel, einem fantastischen Cellisten, Komponisten, Produzenten und Tontechniker, in Anspruch um die Live-Aufnahmen zu verarbeiten, zu mixen und die Tracks zu mastern. Während ich die Musik komponierte und an der Spitze der Produktion stand, arbeitete Hans sehr eng mit mir an kreativen Vorgehensweisen und Techniken zusammen. Ein großer Teil der Musik wurde während den Live-Aufnahmen improvisiert, was der Musik Realitätsgefühl und nostalgische Aura der 60er verlieh. Hans brachte eine ausgezeichnete Begabung in Sachen Tontechnik mit, so dass das Ganze eine wirklich gut klingende Aufnahme wurde."

A-T: "Outlaws erhielt ausgezeichnete Kritiken, und sogar einige 'Bester Soundtrack des Jahres' Auszeichnungen. Hast Du mit einer solch positiven Reaktion gerechnet?"

Clint: "Als das Projekt-Team 'Redbook-Tracks' als technisches Format für die Musikuntermalung festlegte (normale CD Audio Tracks sind zu limitiert in ihrer Fähigkeit auf dramatische Wendungen im Gameplay zu reagieren), wurde mit sofort das Potential bewusst, eine Art Album zu machen, das hinter dem Spiel abläuft. Ich ging an die Musik als 'Soundtrack zum Film Outlaws' heran; ein Film, der natürlich nie existierte. Ich verzichtete auf die hohen Anforderungen, die wir normalerweise an die Interaktivität unserer Musik setzten, und maximisierte statt dessen die intrinsische Qualität der Musik selbst. So hatte ich die Möglichkeit, ein wenig loszulassen und produzierte 15 Tracks, rund 75 Minuten Musik. Dies führte zu einem Produkt, von dem ich ziemlich sicher war, dass es einen guten Eindruck auf die Spielergemeinschaft machen würde."

C.B. Studios und Monkey Island 4



A-T: "Vor einer Weile hast du LucasArts verlassen, um deine eigene Firma, C.B. Studios, zu gründen. Wie kam es zu dieser Entscheidung?"

Clint: "Michael Land, Peter McConnell und ich waren die ursprünglichen drei Mitglieder der LucasArts Sound-Abteilung und hatten zusammen fast 30 Jahre Erfahrung bei LucasArts zu dem Zeitpunkt unseres Abgangs im Mai 2000. Es kommt für jeden einmal der Zeitpunkt, wo er zu etwas Neuem überzugehen möchte - sogar wenn es bedeutet, etwas so Großartiges wie einen Job bei LucasArts zurückzulassen. Als Michael und Peter entschieden haben ihre Koffer zu packen und eine eigene Firma zu gründen, die Internet Authoring Software entwickelte, stand ich vor einer schwierigen Entscheidung, ob ich meinen Verantwortungsbereich im LucasArts Sound-Department weiter ausdehnen will, oder ob ich auch gehen und meine eigene Musik- und Sound-Produktionsfirma gründen soll, die dann die Spieleindustrie und verwandte Industrien bedienen kann. Da meine neue Position bei LucasArts mehr Management bedeutet hätte (was mir ebenfalls gefällt), wäre wenig Zeit übrig geblieben, noch viel am Sound und an der Musik selbst zu arbeiten. Also nahm ich eine Entscheidung, die es mir erlaubte, sogar noch mehr Poduktionsarbeit zu übernehmen als ich vorher als Sound Design Supervisor hatte, während ich die Abteilung mit Michael und Peter co-managte."

A-T: "Trotzdem hat LucasArts entschieden, C.B. Studios für die Musik-Produktion von Escape from Monkey Island unter Vertrag zu stellen. Wie kam es dazu, dass schließlich auch Michael Land und Peter McConnell wieder mit von der Partie waren?"

Clint: "Ursprünglich war geplant, dass Michael Hauptverantwortlicher für die Musikproduktion wird, und dass Peter McConnell und ich selbst als Co-Komponisten mitwirken, so wie bei Monkey Island 2. Als die beiden die Firma verließen, fiel die Verantwortung für die musikalische Leitung auf mich zurück. Wenn ich bei LucasArts geblieben wäre, hätten die Anforderungen meiner neuen Manager-Position, gekoppelt mit mit der Arbeit an vier Soundtracks, die sich zu diesem Zeitpunkt in einer frühen Produktionsphase befanden (Escape from Monkey Island einer davon) mich überfordert, besonders da ich eine Familie habe, die mich jeden Abend zu Hause erwartet! Ich erkannte die Gefahr, dass die Qualität der Musik darunter leiden könnte, wenn ich unter so enormem Druck komponieren müsste. Ich glaubte, dass die Musik von Monkey Island 4 mehr Aufmerksamkeit erhalten könnte, wenn ich unabhängig unter Kontrakt daran arbeiten würde. Natürlich wollten wir alle, dass Michael Land, der den Musikstil der Monkey Island Reihe schließlich erschaffen hatte, eine möglichst große Rolle in der Produktion erhalten würde. Also verpflichtete ich Michael und Peter über einen Zwischenvertrag. Die beiden nahmen sich die Zeit, einen beudeutenden Beitrag zu diesem Spiel beizusteuern, und dies trotz ihrer Verantwortung gegenüber ihrer neuen Firma."

A-T: "Wer sind Anna Karney und Michael Lande, die als Co-Komponisten bei EMI aufgelistet werden? Ist die Namensähnlichkeit zwischen Michael Land und Michael Lande wirklich reiner Zufall, or steckt da eine gefährliche Verschwörung dahinter?"

Clint: "Anna Karney und Michael Lande sind beide freischaffende Komponisten aus der San Francisco Bay Area. Beide sind sehr talentiert und trugen viel zum Soundtrack bei. Die Erfahrungen die ich dabei gewann, fünf Komponisten zu koordinieren (inklusive mich selbst) war unbezahlbar. Ich würde sagen, dass miene Management-Fähigkeiten, die ich bei LucasArts erwarb, sich hier auszahlten. Ich hatte die Funktion des kreativen Leiters und interagierte direkt mit den Projektleitern Sean Clark und Michael Stemmle. Es ist tatsächlich purer Zufall, dass Michael und Michael so ähnliche Nachnamen haben - sie haben sich noch nie zuvor begegnet! Sie sind in der Tat zwei verschiedene Personen."

A-T: "Escape from Monkey Island ist der vierte Teil einer gut etablierten Serie mit gewissen Traditionen. Was es schwierig, die alten Themen zu nutzen und dem gewohnten Stil treu zu bleiben, und trotzdem etwas Neues zu gestalten?"

Clint: "Ich denke, dass die Musik der Monkey Island Serie genauso traditionell ist, wie die Lizenz selbst, daher muss sie mit Sorgfalt behandelt werden. Ich strebte ein gutes Gleichgewicht zwischen neuen Tönen und Stimmungen einerseits und gewöhnten, bewährten Klängen andererseits an. Ich denke, dass es ein Fehler gewesen wäre, zu weit in eine dieser beiden Richtungen zu gehen. Wie hätte ich das Ganze von der musikalischen Welt, die Michael über 3 Titel hinweg aufgebaut hat, lostrennen können? Gleichzeitig war es aber nun auch an mir, eine neue Richtung in die Serie einfließen zu lassen. Ich tat also mein Bestes, beiden Seiten gerecht zu werden. Manche Themen wurden erneut aufgegriffen und nur leicht umgewandelt - wobei das LeChuck Thema wohl das prominenteste ist, während andere Themen und Stile neu eingeführt wurden."

A-T: "Die Musik in Escape from Monkey Island klingt sehr authentisch. Wurde auf viele Live-Musiker zurückgegriffen?"

Clint: "Viele Instrumentalisten kamen durch die LucasArts Aufnahmestudios. Larry the O leistete eine großartige Arbeit um diese Musik aufzuzeichnen. Seine Aufnahmen klingen immer sauber und natürlich. Die allgemeine Vorgehensweise war ähnlich wie die von Peter bei Grim Fandango oder die von Michael bei The Curse of Monkey Island, und zwar wurden nacheinander einzelne Live-Aufnahmen über ein gesampeltes Midi-Fundament gelegt. So erhielten wir einen authentischen Sound und konnten trotzdem im finanziellen und zeitlichen Rahmen bleiben."

A-T: "Auf welche musikalische Einlage in Escape from Monkey Island bist du besonders stolz?"

Clint: "Besonders mag ich die Musik, die ich für die riesige, sieben Minuten lange Zwischensequenz am Ende geschrieben habe, in der Ozzie mit der riesigen LeChuck-Statue gegen den riesigen Affen-Roboter kämpft. Die Komposition ist größtenteils orchestral, streift aber von Zeit zu Zeit auch einige bekannte 'Insel-Themen'. Die Musik wird schließlich sehr intensiv und treibt die Dramatik voran."