Jason Scott

Interviews

Jason Scott
Gesprächspartner: Sebastian 'Basti007' Grünwald
Sprache:
Vom: 24.04.2008

Über

Jason Scott ist ein Historiker, der sich mit den Mikrocomputern der ersten Generation beschäftigt. Mit Get Lamp möchte er nun eine ausführliche Dokumentation zum Thema Textadventures an den Mann und die Frau bringen. Darin trifft er auf die Urväter des Genres, wie Brian Moriarty, Steve Meretzky, Bob Bates und Don Woods. Wir haben ihn zu diesem Projekt befragt:



Adventure-Treff: Jason, du spielst Textadventures seit Du ein kleiner Junge bist. Kannst Du Dich noch erinnern, wie bei Dir alles mit diesem Genre angefangen hat?

Jason Scott: Bezogen auf die Anfänge der Textadventures habe ich zwei ausschlaggebende Erinnerungen. Meine Eltern haben sich scheiden lassen als ich noch ziemlich jung war und als ein Bestandteil dieser Scheidung wurde das Sorgerecht aufgeteilt. Ich ging zur Schule und lebte unter der Woche bei meiner Mutter und sah meinen Vater hin und wieder am Abend und an einigen Wochenenden. Das Problem meines Vaters war, dass er oft arbeiten musste, gleichzeitig aber nicht die Möglichkeit aufgeben wollte mich zu sehen. Also hat er mich mit auf die Arbeit genommen, in das IBM Research Center in Yorkers Heights, New York. Dort hat er mich vor eines ihrer 3279 Terminals gesetzt (es hatte Farbe und etwas Sound!) und mir das Spielemenü gezeigt. In diesem Spielemenü gab es das originale "Adventure" [das allererste Textadventure, Namensgeber des Genres, Anm. d. Red.]. Ich habe viel Zeit mit dem Spiel verbracht, habe es aber nicht gelöst.



Einige Jahre später hat mein Cousin das Microsoft Adventure gekauft, was im Prinzip "Adventure" in einer Neuauflage für den IBM PC war. Dieses Mal haben wir es bis zum Ende durchgespielt und es gelöst. Was einen wirklich gefangen nimmt, wenn man jung ist und auf ein Textadventure trifft, ist, wie echt sich Alles anfühlt - Du tippst einen Satz auf Englisch ein und das Spiel antwortet auf Englisch. Ich selbst war ungeheur erstaunt dass das funktioniert und wie es funktioniert. Ich weiß, ich war nicht der Einzige, der das so empfand.

A-T: Warum dachtest Du, es sei wichtig so ein Thema auf Video zu bringen? Was ist der spannende Punkt an der Geschichte der Adventurespiele?

Jason: Ich habe vorher ein paar Jahre an einer Dokumentation über Mailbox-Systeme (BBS) gearbeitet und als ich damit fertig war, merkte ich, dass ich viele Fähigkeiten aufgebaut hatte, die ich noch woanders einsetzen konnte.



Die entscheidende Frage, die ich mir stellte, war: "Was, neben den BBS, hat meine Kindheit und mein Älter werden als Person noch geprägt?" Ich entschied mich für die Antwort "Textadventures". Diese Spiele haben mir wirklich viel Inspiration gegeben und die Rätsel und die Abenteuer darin erfüllten mich mit Hoffnung. Also entschied ich mich, dieses Thema als Nächstes anzugehen.



Ich glaube fest daran, dass Videodokumentationen eine sehr gute Dimension zu dem Thema hinzufügen können; man kann die Person, die diese Spiele erschaffen hat, reden hören, kann sehen wie sie sich bewegt und der visuelle Schnitt lässt einen diese Schöpfungen in einem neuen Licht genießen. Ich habe herausgefunden, dass das bei meiner vorherigen Dokumentation der Fall war und hoffe, dass es auch hier der Fall sein wird.



Das Interessante zum Thema Adventurespiele ist, dass sie diese wundervolle, gut definierte Geschichte haben, die mit der Zeit schnell in den Mülleimer geschaufelt wurde. Und so lange die Menschen, die sich mit diesem Medium herumgeplagt haben, noch da sind, dachte ich mir, es wäre toll, einen Film zusammenzustellen.

A-T: Spielst Du auch Grafikadventures und/oder die aktuellen Adventurespiele, die im Moment herauskommen?

Jason: Ich beschäftige mich kaum näher mit ihnen, weil meine Zeit so begrenzt ist. Wenn ich die Möglichkeiten habe, probiere ich ein paar der adventureähnlichen Spiele auf meinen unterschiedlichen Spielsystemen aus - oder welche unter dem Begriff "Gelegenheitsspiele". Das Meiste meiner Zeit ist also zwischen meiner Arbeit, der Archivierung und natürlich diesem Film verplant. Aber ich freue mich auf viele weitere Jahre für diese Spiele.

A-T: Wie produzierst Du Deine Dokumentationen? Machst Du das in Deiner Freizeit? Wie funktioniert die Finanzierung?

Jason: Komplett selbst finanziert, komplett in meiner Freizeit. Ich möchte das nicht zu meinem Hauptberuf machen, weil dann treffe ich die Entscheidungen entsprechend des Geldes und der Deadlines und nicht danach, was einen guten Film ergibt.

A-T: Du hast viele wichtige Leute dieser Zeit getroffen. War es schwierig mit diesen in Kontakt zu treten? Welche interessanten Sachen kannst Du uns aus dem Produktionsverlauf verraten?

Jason: Meine persönliche Erfahrung ist, dass wenn man ehrlich ist, die Leute gut behandelt, nicht in deren Leben hereinplatzt und viel Zeit mitbringt, kann man praktisch jeden interviewen. Einige Personen sagten ab, waren dabei aber sehr freundlich und einige haben später sogar ihre Meinung geändert. Ich habe die Gesellschaft einiger wirklich erstaunlicher Leute genossen.



Ich denke, es ist vielleicht interessant zu erfahren, dass ich den Film komplett alleine entwickle; Ich fahre alleine zu den Locations und mache die Beleuchtung, den Ton und das Video. Danach gehe ich nach Hause und mache den Schnitt. Ich treibe es natürlich nicht zu weit: Die Musik machen andere. Ich wähle sie allerdings selbst aus.

A-T: Momentan arbeitest Du gerade an der Nachbearbeitung dieser Dokumentation. Schon Ideen für das nächste historische Projekt?

Jason: Vermutlich etwas über die Geschichte der Arcadespiele. Vermutlich sind damit wieder 4 Jahre meines Lebens hinüber!

A-T: Vielen Dank für das Interview, Jason!





Weiterführende Links:

Webseite zu Get Lamp - The Text Adveture Documentary

Get Lamp Trailer