Ilya Naishuller

Interviews

Ilya Naishuller
Gesprächspartner: Sebastian 'Basti007' Grünwald
Sprache:
Vom: 13.04.2016

Über

Ilya Naishuller ist ein russischer Regisseur. Nachdem er 2013 ein Musikvideo aus Ich-Perspektive gedreht hatte, bekam er von einem Produzenten Geld für einen abendfüllenden Spielfilm aus der Ich-Perspektive: Hardcore Henry. Der Actionfilm zeigt, das eine reine Computerspielsichtweise auch auf der großen Kinoleinwand funktionieren kann. Wir trafen den Regisseur kurz vor der Premiere.



Adventure-Treff.de: Ich hab auf reddit gehört, dass du Quentin Tarantino den Film zeigen wolltest. Ist es dir bereits geglückt?

Ilya Naishuller: Nein, als er fertig war, musste ich gleich weiter arbeiten. Wir spielten auf einem Festival in Texas und dann musste ich heim, um die russische Version zu machen und verpasste damit die Chance. Aber das sollte schon machbar sein. Wir haben den gleichen Agenten. Wir müssen nur fragen. Sein Music-Supervisor hat mit uns gearbeitet, also gibt es da eine Verbindung.



A.T.: Und natürlich hast du auch mit Tim Roth gearbeitet, der auch mit Quentin gearbeitet hat, z.B. in ""Four Rooms"" oder ""Reservoir Dogs"". Und natürlich auch mit Sharlto Copley. Den kennen wir aus den Blomkamp-Filmen ""District 9"" oder ""Chappie"". Wie kam das zustande? Über einen Agenten oder kanntet ihr euch schon?

Ilya: Ich habe Tim Roth schon mal getroffen und unser Produzent Timur Bekmambetov kannte Sharlto. Ich sagte nur, wir sollten einen großartigen Schauspieler dafür nehmen und er sagte 'Reden wir mit Sharlto!' Ich pitchte ihm den Film. Es gab da noch kein Script. Ich sagte: ""Er ist Ich-Perspektive... ... gedreht in Russland. Ich hab noch nie einen Film gemacht. Die Crew ist unerfahren. Wenig Geld. Vermutlich zu wenig Zeit."" Was denkst du? Er sagte: ""Klar, wenn du mir ne Rolle schreibst! Mir macht das keine Angst.""



A.T.: Also es war gar nicht so schwer, sie zu überzeugen?

Ilya: Nein, ich hatte echt Glück. Es war ein interessantes Projekt und Personen mögen interessante Projekte.



A.T.: Ich glaube, der einzige, der überzeugt werden musste, warst du? Timur musste dich überzeugen, weil du dachtest, man kann keinen abendfüllenden Ego-Film drehen?

Ilya: Ja, ich hielt es für keine gute Idee, weil ich meinen ersten Film nicht auf ein Gimmick aufbauen wollte. Weil zunächst ist es nun mal ein Gimmick. Und die Frage ist, kann man es in einen ordentlichen Film umwandeln? Es dauerte ungefähr eine Woche bis ich verstand, wie das für 90 oder 100 Minuten funktioneren könnte. Ich hatte die gleichen Bedenken wie die Leute auf Twitter, die meinen: ""Mir wird dann übel!"" ""Das funktioniert nicht für 90 Minuten!"" Das dachte ich zuerst auch. Mir wird sehr schnell schwindelig. Wir haben den Film daher sehr komfortabel gehalten. Wir haben daher nicht nur über Story und Action sondern auch das generelle Filmgefühl nachgedacht. Es gibt viel Trial & Error. Daher brauchte ich auch 3 Jahre dafür.



A.T.: Was denkst du ist der größte Unterschied zwischen einem Ego-Film und einem ""herkömmlichen"" Film? Ist es das Schwindelgefühl oder was ist es?

Ilya: Nein, das ist ja nur rein technisch. Man macht ein wenig magnetische Stabilisierung und dann passt das schon. Es gab viele Tests. Das war also eine technische Herausforderung. Die Schwierigkeit ist... hm... keine Referenzpunkte zu haben. Wenn du einen Gangsterfilm drehen willst, ahmst du Goodfellas nach. Das ist das Niveau, das man erreichen will. Oder man schaut sich die besten Horrorfilme oder ""Der Soldat James Ryan"" oder was auch immer an... Hier sag ich: ""Ich will einen Action Ego-Film machen."" Und man hat nichts zum Nachschauen. Es gibt Videospiele. Aber die hab ich nicht näher studiert. Es gab großartige Szenen von Filmen, die das mal versucht haben, wie ""Die Dame im See"" von 1947. Der war nicht gut, das war ein gescheitertes Experiment. Das zeigte mir, dass der Protagonist nicht reden sollte. Das ist nicht wie in Half-Life, das ist halt ""Die Dame im See"". Der Typ sprach und das ist ein Teilgrund warum der Film für mich persönlich nicht funktioniert. Daher glaube ich, dass fehlende Referenzpunkte die größte Herausforderung sind. Man muss sich halt immer was neues überlegen!



A.T.: Wie du schon sagst, nachdem es ein Ego-Film ist hat es visuelle Referenzen zu Videospielen. Du hast sie nicht studiert, aber spielst du Videospiele?

Ilya: Ich meinte, ich hab ihren visuellen Look nicht studiert um sie zu kopieren. Aber ich spiele viele Videospiele. Ich hab schon länger nicht mehr gezockt. Der Nachteil am Filmen ist, dass man keine Zeit mehr fürs Fime schauen, Bücher lesen und Spiele spielen hat. Der Film erinnert so an Videospiele weil wir die Ego-Perspektive meist aus Videospielen kennen. Manchmal gibt es woanders noch kleinere Versuche, aber nichts Vollwertiges. Der Schlüssel war, einen Film zu machen und kein Videospiel. Sonst hätte ich gleich ein Videospiel gemacht. Wenn ich einen Film mit einem einzigartigen, cineastischen Erlebnis haben möchte, dann kann ich mir nicht zu viel von Videospielen ausleihen. Es gibt keine Headsets und keine Head-Up-Displays. Es ist immer noch ein Film! Der visuelle Erzählstil wird einfach nur mit Videospielen assoziiert.



A.T.: Bei Ego-Games denkt man meistens an Ego-Shooter. Und Hardcore ist recht actiongeladen. Es gibt aber auch Ego-Games, die langsamer erzählt werden.

Ilya: Mit Puzzles usw.!



A.T.: Genau. Wäre das auch bei Ego-Filmen denkbar?

Ilya: Zunächst dachte ich, ein Ego-Actionfilm klappt nicht über 90 Minuten. Und es geht doch! Man muss einfach nur nachdenken. Man könnte sogar ne Liebeskomödie machen. Ich hab jetzt keine Antworten. Aber wenn ich nachdenken würde, würde ich das lösen, da bin ich mir sicher. Es ist wie ein Puzzle. Bevor man kreativ werden kann, muss man das zusammen setzen. Dann kann man sich um die Story und den Rest kümmern.



A.T.: Das puzzeln hat sich für dich gelohnt. Die Studios haben für den Film um die Wette geboten. Gratuliere! Aber zuvor hast du deine Fans um Hilfe gefragt - über die Crowdfunding-Plattform Indiegogo. Wie waren deine Erfahrungen mit Crowdfunding und würdest du es wieder machen?

Ilya: Es war eine fantastische Erfahrung! Wir haben $250.000 angefragt und $255.000 bekommen. Wir haben es also geschafft. Ich war immer nervös. Weil man die Leute für ein Projekt um Geld fragt... Als mein Musikvideo ""Bad Motherfucker"" rauskam wollten wir es gleich machen, da hätten wir noch mehr Geld gemacht, weil das Video durch die Decke ging. Aber ich sagte: Warten wir, bis wir einen Rohschnitt des Films haben. Und wenn der Film funktioniert, dann fragen wir nach Geld. Man hat nur eine Chance. Würde ich es nochmal machen? Nein. Die Leute haben mich unterstützt. Wir haben den Film. Wir haben ihn verkauft. Er kommt raus und macht hoffentlich ein wenig Geld. Das ist es dann aber auch! Für Filmemacher ist das eine einmalige Sache. Für Musiker macht das vielleicht vor jedem Album noch Sinn. Aber für Film... wir hatten die Chance, wir bekamen die Unterstützung. ""Vielen Dank!"" Nächstes mal schaffe ich es selbst und finde Investoren.



A.T.: Es ist also gut seine Projekte mit Crowdfunding zu ""kickstarten"", wie eine andere Plattform auch heißt? Ist es also für junge Regisseure eine gute Option?

Ilya: Darauf gibt es keine richtige Antwort. Ein paar Projekte funktionieren. Und anderen gelang dieser Anschluss eben nicht. Ich bin ein gutes Beispiel: Ich war jemand, der Musikvideos für seine Band gedreht hat. Ich wollte nichts beweisen, sondern nur was machen, was ich mochte - und meine Band ein wenig promoten. Und dann darf ich plötzlich einen Film drehen und 3 Jahre später sitze ich hier in Deutschland und spreche mit dir! Das zeigt doch, man braucht nicht viel um in der Welt was zu bewegen... Wir leben in einer Zeit, die fantastisch ist für Filmschaffende! Du kannst heute mit einem Mobiltelefon einen Film drehen. Fertig!



A.T.: Oder ein Interview mit einer GoPro!

Ilya: Genau, du hast es begriffen! Hast du Tangerine schon gesehen?



A.T.: Noch nicht.

Ilya: Mit einem iPhone aufgenommen. Sieht toll aus! Es gibt keine Entschuldigung mehr. Leute sollten raus gehen und einfach was machen!



A.T.: Eine tolle Botschaft!

Ilya: Und sie ist auch ganz einfach. Juri Gagarin, der erste Mensch im Weltraum, sagte: ""Ein Pilot muss fliegen."" Und ein Filmschaffender muss Filme schaffen. Es ist egal ob du gut oder schlecht bist. Du wirst lernen und besser werden. Früher oder später findest du eines der beiden Sachen heraus. Eins: Du bist gut und es wird dich weiterbringen. Zwei: Du bist nicht gut und dann solltest du aufhören und was anderes suchen. Aber du musst dich aufmachen!



A.T.: Und du hast offensichtlich herausgefunden, dass Ego-Filme funktionieren. Du hast ein eigenes Rig entworfen, das viel besser ist als das, was ich auf dem Kopf trage. Ich habe es nicht mal an einer guten Position. Die Kamera sollte in der Nähe des Mundes sein. Aber dann könnten wir nicht reden! Also sieh es mir bitte nach... Ich glaube, ich hab das Rig mit zwei und einer GoPro gesehen. Kann man mit beiden GoPros gleichzeitig also in 3D filmen oder was war der Grund dafür?

Ilya: Ich hasse 3D. 3D ist nicht der Grund warum wir zwei Kameras haben. Eine Kamera hatte einen Sucher für die Stunts. Oder für die Schauspieler, damit sie drauf schauen können. Es ist zwar unscharf, weil es zu nah am Auge ist, aber man kann zumindest sehen, was man abschneidet. Und die zweite hatte ein Kabel zwecks Playback-Übertragung. Man kann nicht beides haben: Übertragung und Sucher. Vielleicht bei der (schaut auf die Kamera)... nein, das ist eine 3er Version. Die haben wir auch genutzt, also noch die alte Generation. Die neuen können beides. Das war also einfach nur eine technische Notwendigkeit.



A.T.: Cool, interessant. Hast du deinem Stuntman beigebracht, wie Kameraarbeit funktioniert? Denn er wird ja offensichtlich zum Kameramann!

Ilya: Es sind nicht so viele Stuntman-Aufnahmen. Wir haben mir Sergey und Andrei zwei Viertel gedreht. Und as sind keine Stuntmänner. Sie können ein wenig Parcours und sie folgen meinen Instruktionen sehr genau. Der Stuntman ist für die komplizierten Sachen, wenn man z.B. brennend aus dem Bus katapultiert wird. Da braucht man einen Spezialisten, weil das zu riskant und gefährlich ist. Wir haben es einfach durchgesprochen und das Material angeschaut. Es ist viel Trial & Error. Das ist eigentlich schon alles.



A.T.: War es für die Schauspieler schwer, wenn die Kollegen solche Rigs tragen?

Ilya: Ja. Es dauerte ein paar Tage für Sharlto sich daran zu gewöhnen. Sogar jetzt. Wenn du mir sagen würdest, ich soll in die Kamera schauen, so wie jetzt... (schaut in die Kamera) und wir reden würden, würde ich zurück auf deine Augen kommen. Das ist ein natürlicher Instinkt. Das war nervig. Aber am zweiten Tag haben wir dann verspiegelte Sonnenbrillen besorgt. Das hat das Augenproblem behoben. Ich hab mit ihm (dem Ego-Darsteller) ja auch ein paar Dialogszenen gespielt. Das ist voll nervig. Danach sag ich ihm, was zu tun ist. Und danach bin ich wieder vor der Kamera und muss mich umstellen. Aber es war ein interessanter Prozess für ihn. Er meinte auch, das sei sein bislang schwierigstes Projekt gewesen.



A.T.: Aber das ist wohl das spannende an Hardcore: Ein Actionfilm, aber sehr experimentell.

Ilya: Und tollerweise jetzt gar nicht mehr so experimentell!



A.T.: Ja! Zum Beispiel Grimsby. Die haben sich die Idee stibizit.

Ilya: Ich war ganz nahe dran, für Sascha Baron Cohen diese Szenen zu drehen. Ich traf ihn als ich grade Hardcore begann. Er bot mir die Second Unit Action an. Ich will für niemanden Second Unit Action machen, aber für ihn hätte ich es gemacht, weil ich Sascha Baron liebe. Aber da Hardcore gerade begann konnte ich das nicht. Statt dessen habe ich als ich in L.A. war mich mit ihm hingesetzt und ein paar der Szenen angeschaut und ihm erklärt was ich tun und nicht tun würde. Aber sie machten es anders: Sie blieben nicht in Egoperspektive. Sie schnitten immer wieder davon weg. Davon bin ich kein Fan. Es reißt dich raus. Egoperspektive macht nur Sinn, wenn man immer mittendrin ist. Bei Hardcore ist die Idee: 100% der Zeit bist du der Typ! So ist man wirklich ein Teil davon!



A.T.: Es ist also okay, wenn andere die Idee übernehmen?

Ilya: Ich hab ja kein Patent auf Egoperspektive! Das will ich auch gar nicht. Ich kann gar nicht erwarten, bis Hardcore rauskommt, jemand inspiriert wird, was neues macht und ich schaue es mir dann im Kino an! Das ist doch fantastisch! Es wird spannend, zu sehen, wie andere unsere Probleme lösen.



A.T.: Glaubst du also, wir werden jetzt häufiger Ego-Perspektive im Kino sehen?

Ilya: Die Kinowelt funktioniert mit Präzedenzfällen. Wenn Hardcore Geld macht, werden es Leute auch versuchen. Wenn nicht, dann halt nicht. Sie werden sicherlich Teile davon in ihre Filme nehmen. Aber vielleicht kein volles Feature. Aber ich rate nur.



A.T.: Der eine Teil der Gleichung bei Hardcore ist der experimentelle Teil, der Egoperspektive zur Immersion nutzt. Und der andere Teil der Gleichung, der auch mit Immersion zu tun hat, sind VR-Erlebnisse, wie Occulus Rift oder Samsung Gear. Beide Teile versuchen, Immersionen zu erreichen, indem man in einen anderen Körper und neue Welten versetzt wird. So wie das Spiele schon lange machen. Ist VR interessant für Filmeschaffende? Würde es dich interessieren?

Ilya: Absolut. Ich glaube, das wird ein neues cineastisches Medium. Es gibt dort fantastisches Potential. Der Nachteil für mich persönlich ist: Wenn man mal VR macht, ist das ein einsames Erlebnis. Man sitzt zu Hause, nicht in einem dunklen Raum voller unbekannter Leute. Ich fand das immer interessant: Es gibt keine andere Zeit in unserem Leben, wo wir einen dunklen Raum betreten, Ton und Bild kommt und wir sitzen da mit 200, 300 oder 400 unbekannten Personen und wir haben ein geteiltes Erlebnis. VR wird das ein wenig verlieren, so lange wir keine Multiplayer-VR-Filme erhalten. Das wird kommen. 100 Leute mit VR-Brillen in einer großen Szene! Man darf sich sicherlich darauf freuen!



A.T.: Würdest du VR in Betracht ziehen oder bist du eher der Mann für die große Leinwand?

Ilya: Ich will der Typ sein, der cooles Zeug macht. Egal ob Kino, Netflix oder Fernsehen. Am Ende zählt, ob es gut ist oder nicht.



A.T.: Das ist eigentlich eine spannende Sichtweise, denn vor 10 oder 20 Jahren folgte das Filmgeschäft noch festen Strukturen. Das war zumindest mein Eindruck. Du hattest deinen Drehbuchautor, Musiker, Regisseur... Es hat seine Hierachie. Filme wurden einfach so gemacht. Jetzt fließen die Medien zusammen, zum Beispiel Spiel und Film... Und VR ist keine reine Games-Erfindung mehr sondern auch was für den Film... Mediendisziplinen werden kreativer und kommen zusammen. Würdest du zustimmen, dass es eine Tendenz gibt, dass Filmschaffende keine reinen Filmschaffenden mehr sind sondern kreative Erfinder?

Ilya: Ich glaube, einige sind's. Aber ich glaube, generell ist die Hierachie, die du ansprachst, schon noch da. Der Prozess ist gleich. Man braucht immer noch Autoren, Schauspieler, die ausführenden Produzenten, die Investoren... Es ist eine große Liste an Leuten, die man für einen sauberen Film braucht. Bei kleinen Produktionen für Youtube kann das auch anders funktionieren. Es sind verschiedene Herangehensweisen. Die klassische gibt es immer noch... ... und da liegt das Geld. Es gibt die kleine Herangehensweise indem man einfach sein eigenes Ding macht. Was auch immer dich mehr glücklich macht!



A.T.: Aus deiner kreativen Erfahrung beim Dreh mit Hardcore... was würdest du Neulingen raten, die auch kreativ und erfinderisch sein wollen? Was wäre ein guter Ratschlag?

Ilya: Wie ich sagte: Der Schlüssel ist: ""Einfach machen!"" Bist du eine Autor? Schreib was! Dann such jemanden, der es drehen will. Wenn du ihm nicht vertraust -was auch okay ist-, dann dreh ihn selber. Jeder kennt Freunde, die jemanden kennen, der ein bischen schauspielern kann. Irgendjemand kennt jemanden, der interessant aussieht. Krieg den vor die Kamera! Gib ihm nen Text und dreh los! Es gibt genug Präzedenzfälle, wo Leute mit ihren Freunden gedreht haben und plötzlich wurde es viel größer! Wichtig ist: Sitze nicht auf deinem Hintern und warte, bis jemand zu dir sagt: ""Hey, du bist ein Genie!"" Das passiert nicht. Was passiert ist: Du musst beweisen, dass du's kannst. Vor sieben Jahren habe ich viele Drehbücher geschrieben. Ich hatte drei Drehbücher, die ich super fand. Sie waren gut genug, um daraus in die Produktion zu gehen oder zumindest den nächsten Entwurf, um sie umgesetzt zu bekommen. Ich traf einen Produzenten, für den ich keinen Respekt hatte. Der hatte ungefähr 9 Filme in Russland. Ich hab sie alle gehasst, aber sie waren erfolgreich. Ein cleverer Typ. Ich traf ihn und er gab mir einige saublöde Gründe, dass man keinen Film ohne ein Szene mit dem Helden beginnen könne. ""Was redest du für nen Blödsinn? Ich nenne dir 100 gute Filme, die nicht mit dem Helden beginnen."" Ich habe gelernt, dass ich nicht auf solche Leute höre, weil ich ihre Philosophie, wie man Sachen macht, eben nicht teile. Er sagt: ""Schau Ilya, du bist vielleicht ein Genie... aber du hast doch kein Zertifikat darauf, oder?"" Und das war der Punkt: Ich hatte nichts um zu zeigen: ""Vertrau mir, ich bin gut."" Und dann kam ""Bad Motherfucker"" und das ist jetzt mein Zertifikat. Ich sage nicht, dass das eine geniale Arbeit ist, aber es ist ein großartiges Video. Diesen Punkt muss man erreichen. Etwas kreieren, was den Leuten Spaß macht und worauf sie reagieren. Das wird deine Kugel. Das wir die Munition, um zu sagen: ""Schau, das will ich machen!"" Dann hat man was. Diese Munition gibt dir keiner. Das muss man selber machen. Also raus und machen! Zuerst versagst du vermutlich. Das ist okay. Jede erste Arbeit war immer schlecht. Du gehst einen Schritt zurück und hörst dir Kommentare an. Auf Youtube ist das einfach. Da beschimpft dich eh jeder. Dann kriegt man eine dicke Haut. Und dann kommst du zurück und machst es erneut. Wie ich sagte: Entweder findest du raus, dass du gut bist oder das Potential dazu hast. Oder dass du niemals gut darin sein wirst. Das ist auch okay. Such dir dann einfach was neues.



A.T.: Wenn man kreativ sein will muss man Sachen ""kreieren"".

Ilya: Ja, das muss man. Das ist der Punkt.



A.T.: Ilya, vielen Dank für das Interview und die spannenden Ansätze. Wir sehen uns heute nochmal auf dem Fantasy Filmfest. Ich freue mich schon. Ich hab den Film noch nicht gesehen aber ich bin mir sicher, ich werde Spaß haben. Kannst du uns sagen, was du als nächstes machst?

Ilya: Das sollte ich vielleicht nicht.



A.T.: Aber du könntest.

Ilya: Ich möchte sagen, es wird gut. Aber der Punkt ist der: Hardcore brauchte 3 Jahre. Das ist eine lange Zeit. Ich war 3 Jahre im Vakuum. Ich hab jeden Tag dran gearbeitet. Jetzt bemerke ich: Oha! Da ist Leben draußen. Ich könnte ein Buch lesen? Verrückt! Und ich liebte jede Minute davon. Sogar die dunklen Momente, wo wir dachte, wir hätten es verkackt. Ich hab durchgehalten Das war getrieben von der Kraft, dass ich an das geglaubt habe, was ich tat. Was auch immer ich als nächstes mache: Ich möchte das gleiche Gefühl. Ich starte Hardcore mit dem Gedanken: ""Wenn ich das richtig mache sieht es die ganze Welt."" Das hat mich non-stop daran arbeiten lassen. Das nächste muss mindestens das gleiche Potential haben.



A.T.: Dann wünschen wir dir damit viel Glück und freuen uns auf das nächste Projekt! Vielen Dank und danke, dass du nach Deutschland gekommen bist!