Lost Horizon

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Caveman
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Lost Horizon

Beitragvon Caveman » 07.02.2012, 18:18

Lost Horizon - oder: wie verbaue ich mir den Weg zum Adventure-Klassiker?

Lost Horizon ist für mich das Spiel der verpassten Chancen. Obwohl ich kein Fan von Geheimakte Tunguska bin (das Rätsel mit der Katze! ^^), bin ich unvoreingenommen an Lost Horizon herangegangen. Okay, mir war auch entgangen, dass es der selbe Hersteller ist. Anfangs war ich begeistert: wunderschön, verschiedene Kameraperspektiven, die 3D Charakter fügen sich toll in die Hintergründe ein und vor allem die zwei Verfolfungsjagden waren klasse: durch eine rasante Inszenierung und eine treibende Musik wird Druck beim Spieler erzeugt, so dass er wirklich das Gefühl hat eine Actionszene zu erleben, obwohl man sich in Wahrheit soviel Zeit lassen kann, wie man will und keine Angst haben muss den virtuellen Tod zu erleiden. Solche Szenen als Tempowechsel und Spannungserzeuger könnten öfter in Adventures vorkommen und eine mehr hätte Lost Horizon auch nicht geschadet. Auch die Sprecher sind adequat - also rein von der Präsentation her ist es eines der besten Adventures aller Zeiten.

Erster Knackpunkt waren für mich die Rätsel. Dank Hotspot-Anzeige sind sie nicht all zu schwer und meistens durchaus logisch. Einzig hatte ich das Gefühl, dass unser Held sich die Hose mit der Kneifzange anzieht, d.h. er macht sich die Lösungen unnötig kompliziert und man denkt sich, in der Realität wäre das alles einfacher gegangen. Dafür erfreuen zum Ende hin ein paar schöne, Day of the Tentacle-artige Rätsel das Adventure Herz.

Was hindert das Spiel nun trotz dieser kleinen Kritikpunkte daran ein Klassiker zu werden? Die Story und Dialoge. Das Spiel will eine Hommage an Indiana Jones sein, ist aber eine Andeinanderreihung von Klischees. Geschichte und Charaktere wirken wie aus dem Storybaukasten zusammengesetzt und schwanken zwischen cartoonhaft und ernsthaft hin und her. Nichts davon bleibt in Erinnerung. Hätte man hier genauso liebevoll gearbeitet, wie bei der Grafik, hätte das Spiel ein würdiger Fate of Atlantis Nachfolger werden können. So ist Lost Horizon das Transformers der Adventures: ein Fest für die Sinne, aber nicht für den Geist.

Auf einer subjektiveren Ebene fand ich es besonders enttäuschend, dass ein Spiel aus deutschen Landen, das zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges angesiedelt ist, die Hollywood-Route in der Darstellung der Deutschen geht. Hier hätte man die Chance gehabt, vor allem die deutschen Soldaten als das darzustellen, was sie waren: junge Männer, keine Nazis, die einen Krieg gekämpft haben und genauso wenig Monster waren wie englische oder französische Soldaten. Ein bisschen mehr Reife und Ambition im schriftstellerischen Bereich hätten dem Spiel in jedem Falle sehr gut getan.

Es ist letztendlich immer noch ein gutes Spiel. Und auch wenn mir weder Charaktere noch Story in Erinnerung bleiben werden, werde ich mich noch lange an Lost Horizon erinnern. Als das Spiel, das ein Klassiker hätte werden können, aber sich damit begnügte, im Schatten des eigenen Potentials zu verweilen.

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