Zuviel zu konsumieren?

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postulatio
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Re: Zuviel zu konsumieren?

Beitragvon postulatio » 09.02.2018, 12:43

Ich fühle mich auch erschlagen durch das riesige Angebot - wenn man sieht, wie viele Serien es schon gibt, und das gefühlt jeden Monat eine neue anläuft - da weiß man ja gar nicht mehr, was man schauen soll.

Ich habe mir Amazon Prime und Netflix geholt, weil ich unabhängig von Sendezeiten sein wollte, und mir das Leih-Prinzip gefällt.
Im Endeffekt schau ich aber fast weniger als noch früher im TV, wo man auf den Ausstrahlungstermin einer neuen Folge hingefiebert hat.

Man wird durch die Medien auch irgendwie unter Druck gesetzt, bei jeder Serie auf dem neuesten Stand zu sein - grade bei bekannten Serien wird man sonst unweigerlich durch das Netz gespoilert :roll:

Was Filme angeht: auch hier schaue ich durch die konstante Verfügbarkeit kaum mehr als in der Zeit vor Streaming-Anbietern :?
Im Gegenteil: ich habe sogar festgestellt, das ich beim Durchzappen bei mir bekannten Filmen eher hängen bleibe, als mir einen Film bewusst zum 2. Mal anzumachen.

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Re: Zuviel zu konsumieren?

Beitragvon Uncoolman » 09.02.2018, 13:38

Es gibt sicher ein Überangebot an Medien und es stimmt auch, dass man nicht alles konsumieren muss. Außer sterben muss man gar nichts. Die Frage ist eher, wieviel Konsum zum Erreichen der eigenen Lebenswirklichkeit man sich antun möchte.

Ich verzichte z.B. auf sämtliche Spiele von Gog und Steam, damit reduziert sich die Auswahl inzwischen auf 10-20%.

Längst muss ich mich dafür rechtfertigen, wenn ich z.B. meine Klamotten so lange trage, bis sie unansehnlich wirken (immer frisch gewaschen natürlich).

Der Konsum ist bei den Menschen das, was bei den Affen das Trommeln auf der Brust, das Zähnefletschen und das Zeigen von Dominanz ist. Durch Konsumverzicht rutscht man in der Beziehungsmarkt- und Sozialhierarchie weiter nach unten. Dass vor allem jüngere Menschen damit nicht klarkommen, ist einleuchtend, denn diese kämpfen ja gerade um eine gute Position. Konsumverzicht bedeutet also zwingend eine Abkehr von eingefahrenen Verhaltensweisen, was aber sehr energieaufwendig ist. Es ist mühsam, das durchzuhalten, weil man sich jeden Tag die Frage nach dem "was will ich?" neu beantworten muss.

Nehme ich z.B. das Forumsspiel "Screenshot-Rätsel", so muss ich zugeben, dass ich 90% der Spiele nicht kenne und deshalb auch nicht mitraten kann. Nehme ich z.B. Steam, so kenne ich mich damit gar nicht aus. Nehme ich z.B. Netflix, so muss ich bestätigen, dass für mich nichts irre Tolles dabei war und ich - wenn überhaupt - lieber eine DVD kaufe. Serien mag ich sowieso nicht. Nehme ich Online-Spiele, so habe ich faktisch noch nie eins gespielt (außer LBP und Journey im Mehrspielermodus bei einer Freundin).

Man muss also gut abwägen, was man gewinnt und was einem entgeht. Das bewusste Vermeiden von Konsum und Internet ist inzwischen genauso mühsam wie das Konsumieren selbst, weil einem keine Wahl mehr angeboten wird ( man denke nur an die erzwungene Online-Steuererklärung).
Klingt man sich jedoch aus der Welt aus, hat man sicher mehr Zeit für sich, entflieht aber auch dem "Zeitgeist", was wiederum dazu führt, dass eigene Kreationen nicht mehr "passen", weil man hinterm Mond lebt. In einer gewissen Weise wird man auch einsamer, weil Kommunikation längst online ausgelagert ist. Briefe werden kaum noch beantwortet, statt dessen gibt es Whatsapp. Driften die Interessen zu weit auseinander, ergeht es einem wie der Mann aus einer Geschichte, der sich für Gegenstände aus dem täglichen Leben andere Namen ausdachte und darum von Anderen nicht mehr verstanden wurde. Konsumverzicht führt irgendwann zu einem Herausfallen aus der Welt. Eine Gratwanderung.

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Re: Zuviel zu konsumieren?

Beitragvon uwero » 09.02.2018, 14:22

@Uncoolman
Kann dir da in vielen Punkten nur Recht geben.
Wenn du eine Frau wärst, dann würde ich dich glatt heiraten :wink:

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Re: Zuviel zu konsumieren?

Beitragvon Uncoolman » 09.02.2018, 14:33

uwero hat geschrieben:
09.02.2018, 14:22
@Uncoolman
Kann dir da in vielen Punkten nur Recht geben.
Wenn du eine Frau wärst, dann würde ich dich glatt heiraten :wink:
Ich nehme das mal als Kompliment und sage "Vielen Dank". Ein manchmal "weiblicher" Blickwinkel kann ja auch was Gutes haben. Außerdem: wer sagt denn, dass nicht ... :mrgreen: (schade, pfeifender Smiley geht nicht)

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Re: Zuviel zu konsumieren?

Beitragvon axelkothe » 09.02.2018, 16:13

postulatio hat geschrieben:
09.02.2018, 12:43
Man wird durch die Medien auch irgendwie unter Druck gesetzt, bei jeder Serie auf dem neuesten Stand zu sein - grade bei bekannten Serien wird man sonst unweigerlich durch das Netz gespoilert :roll:
Kann ich nicht bestätigen. Ich kann das in der regel hervorragend ausblenden, bzw. ich halte mich eben von entsprechenden Threads in Foren und Twitter/Facebookunterhaltungen fern (bzw. Twitter nutze ich eh kaum). Die Filmpodcasts die ich höre sind sehr bedacht darauf nichts zu spoilern und wenn, wird das in der Regel vorher deutlich gesagt. Ergo: Dass ich unvorbereitet gespoilert werde, kommt nur äußerst selten vor, und wenn, vergesse ich es meist bevor ich dazu komme die Serie/den Film anzuschauen ;)
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Now playing: The Wardrobe, Sandra & Woo, Pinstripe (bald), Die Säulen der Erde (bald)
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Re: Zuviel zu konsumieren?

Beitragvon Uncoolman » 09.02.2018, 16:20

Dadurch, dass ich vor Kauf oder Kinobesuch meist Vorschauen oder Videos schaue, bin ich jetzt öfter gespoilert als früher. Obwohl sich Trailer meist Mühe geben, nichts zu verraten. Aufgrund der Bildeindrücke, Besprechungen, Kommentare und Reviews entscheide ich dann, ob der Film oder das Spiel was für mich sind. Anders wäre es viel zu teuer. Ich habe dann allerdings kaum noch wirkliche Überraschungsmomente.

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Re: Zuviel zu konsumieren?

Beitragvon axelkothe » 09.02.2018, 23:53

Ich gehe meistens am Kinotag für 6€ pro Karte, da kann man sch auch mal überraschen lassen. Wobei ich Trailer nur dann sehe, wenn sie halt grad zufällig im Kino laufen. Ansonsten höre ich wie gesagt Podcasts, bei denen Spoiler erst am Ende besprochen werden und ich dann vorher abschalte.

Neulich hatte ich aber (zum Glück erst nach dem Kinobesuch) mal die Cinema-Besprechung von Downsizing gelesen und war entsetzt, wieviel da in einer nicht mal halben Seite Text vom Film gespoilert wurde.
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