Verschiedene Studiengänge und die Motivation von Studentinnen

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Verschiedene Studiengänge und die Motivation von Studentinnen

Beitragvon Uncoolman » 08.07.2018, 16:00

Mathilda: "Ich bin schon längst erwachsen. Ich werde nur noch älter."
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Vainamoinen
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Re: „Gamergate“ oder: was machen gegen den Frauenhass im Netz?

Beitragvon Vainamoinen » 08.07.2018, 18:52

Uncoolman hat geschrieben:
08.07.2018, 16:00
Mal was Provokantes als Gegenpol:
http://www.danisch.de/blog/2018/05/05/h ... 0-zu-doof/
Ich kann den Unmut über unmotivierte Studenten absolut nachvollziehen. Ich habe selbst in einem Literaturstudium gesessen, wo in den Seminaren teils drei Viertel die diskutierten Bücher nicht gelesen hatten. Hat natürlich mit dem Thema wenig zu tun. :mrgreen: Denn was bei mir definitiv nicht so war, war die "Minderbegabung" oder das mangelnde Interesse von Frauen. Obwohl ich natürlich dutzende problematisch begriffsstutzige Frauen kennengelernt habe (die heute alle Lehrerinnen sind ;) ), hatte das untere Ende der Dummheit und Faulheit definitiv einen männlichen Rand (dieser verfickte Philosophiestudent im zwanzigsten Semester! Dieser nervige Honk im Turbolateinkurs, der jede beantwortete Frage sofort nochmal stellte!) und das obere Ende, jenes des reinen Genius, einen weiblichen (diese strunzgeniale Asiatin, deren Diskussionsbeiträge regelmäßig vom Professor mit dem Kommentar "Das könnten Sie auch zu einer Doktorarbeit ausarbeiten" quittiert wurden, et alii). Naja... meine später beste Freundin hatte da auch eine Pole Position. Insofern... kann der Professor da mümmeln, was er will. Ich halte das mit ebenso subjektiver Erfahrung wie der seinen für eine misogyn gefärbte Perspektive. :lol:

Der Blog-Verfasser selbst, jener Hadmut Danisch, der lässt im verlinkten Beitrag natürlich Ideenwelten durchblicken, die jenseits von gut und böse frauenfeindlich sind, und Überlegungen anstellt, die man im Lexikon unter "Reine Dummheit" findet. Das zitiere ich hier nicht mal. Kein Wunder, dass auf diesem Blog auch Trump-Sympathien und die in der Informatik häufige Arroganz gegenüber geisteswissenschaftlichen Fächern zu finden ist. Soll sich mal in seiner eigenen Fakultät umkucken. Zwei Semester Informatik haben mir gereicht. Da gab's vielleicht 2 oder 3 Frauen. 90% der Männer waren dumm wie Brot. Einer hatte sich oder seine Klammotten offenbar in seinem Leben nicht gewaschen. Die meisten waren aus dem CIP-Pool nicht in die Vorlesungen zu kriegen. Für's Programmieren wurden Teams aus drei Männern gebildet - in meinem Team haben die beiden anderen die Arbeiten nach Woche zwei eingestellt. Die intelligentesten Männer waren zwei Russen und ein Rumäne. Ich habe dort die einzige Vorlesung erlebt, die nicht zu verstehen war, weil die versammelte männliche Studentenschaft in Kneipenlautstärke die vollen 90 Minuten durch miteinander redete. Die Zukunft kannst du eintüten, wenn geistige Tiefflieger wie Danisch irgendwann das Sagen haben.
Zuletzt geändert von Vainamoinen am 08.07.2018, 19:25, insgesamt 6-mal geändert.

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Re: „Gamergate“ oder: was machen gegen den Frauenhass im Netz?

Beitragvon Uncoolman » 08.07.2018, 19:01

War wohl auch so gemeint. Aber erschreckenderweise findet man sich oft in diesen Gedankenstrukturen wieder, was zeigt, wie tief verankert diese Strukturen sind.
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Beowulf

Re: „Gamergate“ oder: was machen gegen den Frauenhass im Netz?

Beitragvon Beowulf » 09.07.2018, 01:23

Danisch geht mir zu sehr auf den angeblichen Heiratsmarkt-Aspekt ein. Das ist dann doch etwas zu platt. Aber das ganze war wohl auch eher als ganz subjektive Meinung, nicht als tiefgründiger Essay gemeint.

Was das Informatik-Studium angeht, so kann ich die Abneigung schon etwas verstehen. Extrem viel Mathematik, womit die meisten überfordert sind. Programmieren habe ich mir als Junge selber beigebracht, in Windeseile mehrere Programmiersprachen... und diesbezüglich wird man in einem Informatikstudium wohl auch nicht viel mehr lernen... es sei denn ihr wollt unbedingt wissen, was z.B. ein Hilbertraum ist oder wie man Differentialgleichungen löst. ;)

Kein Wunder dass Deutschland, was Zukunftstechnologien angeht, immer mehr ins Hintertreffen gerät. Man bräuchte da eindeutig mehr Praxisorientierung... denn was ist z.B. mit dem schnellen Internet, was uns schon so lange versprochen wurde? Die Glasfaser hat in unserem Dorf mehr schlecht als recht eine holländische Zeitarbeitsfirma mit osteuropäischen Arbeitskräften errichtet. Jetzt sind all unsere Bürgersteige holprig (Boden wurde nicht wieder richtig verdichtet), und durch diverse Flaschenhälse bleibt die Geschwindigkeit deutlich hinter den Erwartungen zurück.

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Simon
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Re: Verschiedene Studiengänge und die Motivation von Studentinnen

Beitragvon Simon » 09.07.2018, 13:31

So, ich habe mal versucht, das Thema aus dem Gamergate-Thema zu extrahieren, da es meiner Meinung nach hier andere, interessante Aspekte gibt. Man möge mir den Thementitel verzeihen, mir fiel nichts besseres ein.

Zur Sache Studium als Heiratsmarkt: Ist mir so nicht begegnet (möchte aber nicht leugnen, dass es das nicht geben mag), aber gerade da Gender-Studien in dem Zusammenhang genannt werden, kommt mir das doch eher scherzhaft vor. Denn warum sollte eine Frau, die nur für den Heiratsmarkt studiert, Gender-Studies studieren? Ich glaube nicht, dass dieses Studium die Chance auf eine einträgliche Heirat besonders steigert. Hier denke ich eher, dass sowas entweder aus Überzeugung oder aus Kalkül in Hinsicht auf spezielle Jobaussichten studiert wird.

Letzteres konnte ich übrigens auch zum Grossteil bei meinem Informatikstudium damals beobachten. Wir hatten glaube ich 300 Erstsemester. Die Hälfte hat die ersten zwei Semester nicht überstanden. Viele waren einfach faul oder überfordert, weil sie dachten, dass man als Informatiker schnell gutes Geld verdient und anscheinend davon überrascht waren, dass man doch auch fit in Mathe und Logischem Denken sein muss.

Mich hat übrigens sehr geärgert, dass diese Menge an Erstsemestern dazu geführt hat, dass ein NC eingeführt wurde. Mit einem NC wäre ich garantiert nicht an einen Studienplatz gekommen. Abiturnoten sind einfach kein sinnvolles Mass für die Eignung zum Informatikstudium.
Beowulf hat geschrieben:
09.07.2018, 01:23
Was das Informatik-Studium angeht, so kann ich die Abneigung schon etwas verstehen. Extrem viel Mathematik, womit die meisten überfordert sind. Programmieren habe ich mir als Junge selber beigebracht, in Windeseile mehrere Programmiersprachen... und diesbezüglich wird man in einem Informatikstudium wohl auch nicht viel mehr lernen... es sei denn ihr wollt unbedingt wissen, was z.B. ein Hilbertraum ist oder wie man Differentialgleichungen löst. ;)

Kein Wunder dass Deutschland, was Zukunftstechnologien angeht, immer mehr ins Hintertreffen gerät. Man bräuchte da eindeutig mehr Praxisorientierung...
Dafür gibt es ja zur Not auch die FH. Wobei ich finde, dass unser Studium schon sehr praxisorientiert war. Sicher habe ich mir auch ein bisschen Basic, Delphi und Java während der Schulzeit beigebracht, aber das tiefe Verständnis für Objektorientierung, Vererbung etc. kam erst während des Studiums. Ebenso Design-Patterns, komplexere Datenbank-operationen, Versionsverwaltung, Grundlagen des Projektmanagements, Ausführungs- und Speicherkomplexität, Optimierung auf Mehrkernsysteme und Cacheoptimierung (ok, das war während meines Studiums noch nicht aktuell, wäre aber später Lehrinhalt gewesen), Konzepte der Datensicherheit etc. Dazu kamen dann die Grundlagen, wie Computer und Chips aufgebaut sind, die Programmierung, Synthese und Optimierung eigener Chips, Modellierung und Verifikation eigener Chips, Systeme, Protokolle etc.

Vielleicht war es an meinen Unis ja anders, aber neben der Theorie wurde auch sehr viel praktisch wichtiges Wissen unterrichtet.
Beowulf hat geschrieben:
09.07.2018, 01:23
denn was ist z.B. mit dem schnellen Internet, was uns schon so lange versprochen wurde? Die Glasfaser hat in unserem Dorf mehr schlecht als recht eine holländische Zeitarbeitsfirma mit osteuropäischen Arbeitskräften errichtet. Jetzt sind all unsere Bürgersteige holprig (Boden wurde nicht wieder richtig verdichtet), und durch diverse Flaschenhälse bleibt die Geschwindigkeit deutlich hinter den Erwartungen zurück.
Das ist ja vor kurzem durch die Nachrichten gegeistert: Ursache dafür, dass Deutschland den Breitbandausbau verschlafen hat, scheint Vetternwirtschaft während der Kohl-Regierung zu sein.

Zweifelsohne ist es aber ein Problem fuer Deutschland (und auch andere Länder), dass es in Zukunftstechnologien hinterherhängt. Wie viele einflussreiche IT-Entwicklungen/Firmen sind in den letzten Jahren aus Deutschland gekommen? Facebook, Amazon, Google, Youtube, Spotify, eBay, MySQL, Skype, Netflix, Apple... Da ist in Deutschland einfach nicht viel los.

Aber woran liegt es wirklich? Fehlende Fachkräfte? Falsche Studienschwerpunkte/Ausbildung? Zu wenig Risikobereitschaft? Angst vor Innovationen? Zu komplexe Regelwerke? Zuviel Datenschutz? Zu wenig finanzielle Anreize?

Ich weiss es nicht,

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Re: Verschiedene Studiengänge und die Motivation von Studentinnen

Beitragvon Uncoolman » 09.07.2018, 13:38

OK. Dennoch hat das Thema immer noch das typische Frauenbild zum Thema, gehört also weiterhin in die ewige Männer-Frauen-Debatte. Was im Mecker-Faden ja auch schon aufgeflammt ist.
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Re: Verschiedene Studiengänge und die Motivation von Studentinnen

Beitragvon Uncoolman » 09.07.2018, 13:59

Ich würde mal verallgemeinern, dass es Studiengänge gibt, die typisches weibliches Denken herausfordern, und solche, die typisch männliches Denken herausfordern. Ob das nun genetische Gründe hat, ob das Fernsehen uns das aufzwingt oder ob Dänikens Aliens uns das eingeimpft haben, ist erstmal egal.

Meine Erfahrung ist jedenfalls, dass viele Studentinnen, die ich kenne, bestimmte Formen der Arbeit nicht mögen. Dazu gehört z.B. das minutiöse Herumtüfteln an einem stupiden Problem - was bei Informatik ja die Regel ist. Damit ist nicht gesagt, ob Männer oder Frauen dafür besser geeignet sind - Frauen finden es einfach häufig langweilig. Ich habe auf Messen bemerkt, wie Jungen und Mädchen z.B. auf Spielroboter reagieren. Jungen bleiben dran, Mädchen selten. Roboter sind für Mädchen uninteressant.

Kurz gesagt: ein Studiengang, wo eher ein Tunneldenken gefordert wird, ist eine männliche Domäne. Nicht umsonst werden neuerdings Autisten für diese Arbeiten entdeckt - sie sind sozusagen das überspitzte männliche Denken. Es gibt wesentlich mehr männliche als weibliche Autisten (und die schwächere Form Asperger). In Israel arbeiten Autisten als Soldaten zur Satellitenbildauswertung: akribisch, konzentriert und detailversessen, dabei intolerant gegen eigene Fehler (und ebenso gegen die von anderen...).

Frauen sind dann häufiger die Architektinnen als die Baustatikerinnen, sie denken lieber branchenübergreifend und mit einem gewissen Maß an Freizügigkeit. So wie Männergespräche informationsbasiert sind, mit einem exakten Fachvokabular und konkreten Anweisungen, so "verwaschen" und mit schwebenden Zwischentönen sind Frauengespräche (und hier haben wir mal wieder das Vierohrenmodell).

Eine Gesellschaft braucht beides, aber wir sollten die Gegenseite nicht zwingen, Verhaltensstrukturen zu übernehmen, für die sie nicht geschaffen ist. Daraus resultieren die Schwerpunkte für Studiengänge. Es ist falsch, daraus nun abzuleiten, Männer könnten dies nicht und Frauen könnten das nicht. Aber der Löwenanteil in der Standardverteilung wird so sein, egal wie sehr die Randbereiche nun divergieren.

Die einzige Lösung, herauszufinden, ob es so sein muss oder anders sein kann, wäre, Kinder völlig losgelöst ohne Gesellschaft aufwachsen zu lassen. Man könnte verfolgen, welche Strukturen angelegt sind und welche erlernt. Da Menschenkinder das aber nicht überleben, werden wir es höchstwahrscheinlich nie erfahren.
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Re: Verschiedene Studiengänge und die Motivation von Studentinnen

Beitragvon Beowulf » 10.07.2018, 00:57

@Simon:
Sicher habe ich mir auch ein bisschen Basic, Delphi und Java während der Schulzeit beigebracht, aber das tiefe Verständnis für Objektorientierung, Vererbung etc. kam erst während des Studiums.
OOP, Assembler und viele Programmiersprachen konnte ich schon lange vor meinem Studium. Wobei Objektorientierung am Anfang reizvoll wirkte, aber im Nachhinein doch auch Tücken aufwies. In C++ konnte man daher Klassen auf recht merkwürdige Weise zusammenfügen, weil gewisse Dinge mit normaler Vererbung nicht gingen. Und schaut man noch weiter, ist OOP oberflächlich gesehen eine vereinfachte Schreibweise von Prozedur-Aufrufen. Anstatt "Tudies(Dings)" schreibt man "Dings.Tudies". Und die Krücken, die die Vererbung mit sich bringt, braucht man nicht wirklich, wenn man auch nur ein bisschen gelernt hat den Überblick zu bewahren.
Viele programmieren meiner Meinung nach eh immer viel zu hektisch drauf los... und merken mittendrin, dass eine andere Programmiersprache oder das Dazukaufen gewisser Tools doch sinnvoller gewesen wäre. Ich habe Programme immer im Kopf, dann auf Papier zu Ende entworfen, dann abgetippt.
Ebenso Design-Patterns, komplexere Datenbank-operationen, Versionsverwaltung, Grundlagen des Projektmanagements,
Das sind alles Dinge, die meiner Meinung nach in den Firmen passieren müssen.
Ausführungs- und Speicherkomplexität, Optimierung auf Mehrkernsysteme und Cacheoptimierung (ok, das war während meines Studiums noch nicht aktuell, wäre aber später Lehrinhalt gewesen), Konzepte der Datensicherheit etc. Dazu kamen dann die Grundlagen, wie Computer und Chips aufgebaut sind, die Programmierung, Synthese und Optimierung eigener Chips, Modellierung und Verifikation eigener Chips, Systeme, Protokolle etc.
Das sind natürlich auch sehr wichtige Dinge, die im Studium dann wohl auch Sinn machen. Aber das geht schon stark in Richtung Hardware und deren Entwicklung, was für mich persönlich nicht von Interesse war.
Facebook, Amazon, Google, Youtube, Spotify, eBay, MySQL, Skype, Netflix, Apple... Da ist in Deutschland einfach nicht viel los.

Aber woran liegt es wirklich? Fehlende Fachkräfte? Falsche Studienschwerpunkte/Ausbildung? Zu wenig Risikobereitschaft? Angst vor Innovationen? Zu komplexe Regelwerke? Zuviel Datenschutz? Zu wenig finanzielle Anreize?
Ich formuliere es gerne etwas überspitzt: Bei der ganzen Objektorientierung haben manche die Menschenorientierung aus dem Sichtfeld verloren. Nehmen wir mal Microsoft Windows: Es hat sich in seiner Funktionsweise und Darstellung mehr der Denkweise von Menschen angepasst. Jetzt mit Windows 8 und 10 waren gewisse Dinge wieder rückläufig, viele Menschen fühlen sich auch von der ganzen Daten-Ausspähung und dem Update-Zwang überrumpelt, es wird immer mehr Kritik laut. Ähnliches kann man wohl auch über Facebook sagen. Und Dinge wie Youtube, Spotify und Netflix hätten bei unserem Steinzeit-Internet damals wohl nicht entstehen können.

@Uncoolman:
Meine Erfahrung ist jedenfalls, dass viele Studentinnen, die ich kenne, bestimmte Formen der Arbeit nicht mögen. Dazu gehört z.B. das minutiöse Herumtüfteln an einem stupiden Problem - was bei Informatik ja die Regel ist.
Das sehe ich auch so. Wobei "stupide" wohl nicht das richtige Wort ist, es fehlt einfach das Interesse oder die Fähigkeit, darin das Interessante zu entdecken. Und aus anderen Gründen (Körperbau), die aber wohl die gleiche Ursache (Geschlecht) haben, trifft man auch relativ wenig Frauen auf dem Bau an.
Kurz gesagt: ein Studiengang, wo eher ein Tunneldenken gefordert wird, ist eine männliche Domäne.
Das würde ich so nicht sagen. Ersetze "Tunneldenken" doch mal mit "Konzentrationsvermögen". Ist zwar immer noch nicht ganz passend, aber schon um einiges besser. Denn gerade Tunneldenken ist etwas, was ich z.B. in der Informatik als extrem schädlich empfunden habe.
Eine Gesellschaft braucht beides, aber wir sollten die Gegenseite nicht zwingen, Verhaltensstrukturen zu übernehmen, für die sie nicht geschaffen ist.
Das sehe ich auch so. Aber mit diesem Argument wirst du bei den Feministinnen gegen eine Wand laufen, leider. Lieber werden z.B. die Anforderungen an Feuerwehrmänner gesenkt, damit auch Frauen sie erfüllen können.
Die einzige Lösung, herauszufinden, ob es so sein muss oder anders sein kann, wäre, Kinder völlig losgelöst ohne Gesellschaft aufwachsen zu lassen.
Nein, davon halte ich auch nichts. Es reicht, ihnen viel Freiheiten zu geben und ihnen bestimmte Denkmuster nicht so sehr aufzudrücken.

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Re: Verschiedene Studiengänge und die Motivation von Studentinnen

Beitragvon realchris » 04.08.2018, 19:39

Ich finde die Argumentation sowohl aus männlicher als auch aus feministischer Sicht ermüdend.

Man sollte einfach vom Individuum ausgehen.

Ich habe in einer Frauendomäne (Geisteswissenschaft mit einem Frau-Mann-Verhältnis von 9:1) allen Mitstudent_Innen den Rang abgelaufen. Es ist sogar so, dass meine größte Konkurrentin, die meine Abschlussarbeit gesehen hatte, versucht hatte, ähnliches
auf die Beine zu stellen. Das Ergebnis war ein Burning Out und ein medizinisch (psychologisch) motivierter zeitweiser Abbruch des Studiums und das was am Ende abgegeben wurde, war nur die Sparversion meiner Arbeit und noch nicht einmal gut bewertet.
Bei neuen Bewerbern wird jetzt noch meine Arbeit als Beispiel gezeigt. Ich habe quasi eine Dr.-Arbeit als Masterarbeit abgegeben.

Ich habe gelernt, dass ich alles lernen kann, was ich will . Und mir ist egal, ob der Bereich ein Frauen- oder Männerbereich ist oder mein Konkurrent eine Frau oder ein Mann. Ich nehme jeden ernst. Wobei der größte Konkurrent ich selbst bin. Ich versuche mich immer selbst zu schlagen.
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Re: Verschiedene Studiengänge und die Motivation von Studentinnen

Beitragvon Beowulf » 07.08.2018, 01:55

Ich denke das ist deine persönliche Leistungseinstellung: Immer besser zu werden... vielleicht sogar im Hinblick auf andere, also der Beste zu sein. Aber neben geistigen Voraussetzungen gibts ja auch körperliche (an denen aber auch viele Frauen einiges tun können), und viele Menschen haben eben auch nicht das Bedürfnis immer besser zu werden oder der Beste zu sein. Sowas kann bei manchen zu einem Burnout führen, wie du ja schon beschrieben hast.

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Re: Verschiedene Studiengänge und die Motivation von Studentinnen

Beitragvon Kikimora » 07.08.2018, 13:23

Kann ja auch sein, dass man erst im Studium feststellt, dass das Studium doch gar nicht so den eigenen Stärken und Interessen entspricht (und diese woanders liegen - man also durchaus anderswo glänzen könnte). Ich habe zumindest gehört, dass auch Mitschüler, die in Mathematik extrem gut waren, am Mathematikstudium dann gescheitert sind, weil da doch eine andere Denkweise erforderlich war, die sich anzueignen sie nicht in der Lage waren. Ob das an Faulheit, mangelnder Reife, mangelnder Intelligenz liegt oder an anderen individuellen Gründen ... keine Ahnung. Definitiv jedenfalls betrifft es nicht nur weibliche Studierende. Mir scheint auch, der Autor des Blogbeitrages hat da wohl was zu kompensieren.

Mag ja sein, dass es Menschen gibt, die "alles" (lernen) können, aber das ist dann wohl doch eher die Minderheit und geht ggf. einher mit mangelnden sozialen Kompetenzen (insbesondere gegenüber Menschen, die sie dann als dümmer oder schwächer betrachten als sich selbst - also im Grunde allen) oder schlimmer - bis zur Misanthropie oder Misogynie (oder anderen psychischen Auffälligkeiten). Zumindest sehe ich dieses Problem häufig bei Leuten, die dies von sich behaupten.

An sich könnte man auch annehmen, dass in der Schule nicht ausreichend auf das Studium vorbereitet wird und was einen da erwartet ... oder man nicht genügend Möglichkeiten hätte, sich zu orientieren und herauszufinden, wo man die beste Leistung erbringen könnte oder was einen wirklich interessiert (ich meine, wenigstens eins von beidem müsste doch als Motivation gegeben sein für ein Studium).

Ist die Lage denn heutzutage schlimmer oder anders als "früher"?
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Re: Verschiedene Studiengänge und die Motivation von Studentinnen

Beitragvon realchris » 07.08.2018, 20:01

Da kenn ich auch einen Dozenten, der ein wenig entartet ist. Das ist son obiger Asperger-Fall. Aber selbst, wenn ihm die soziale Kompetenz fehlt, ist er in seinem Bereich eine Koryphäe und hat alleine deswegen schon eine Existenzberechtigung. Gerade so Leute lösen Probleme, die kein anderer lösen kann und darunter auch wichtige Probleme für die Menschheit,

Du kannst ohne soziale Kompetenz einen elitären Masterstudiengang, in dem man quasi wie eine Familie durch 4 Jahre geprügelt wird, ohne soziale Kompetenz nicht mit Auszeichnung rausgehen. Du musst Kommilitonen und Dozenten lesen können, musst wissen, wie Du abliefern musst, musst wissen, wie Du Dich aus den Querelen der Mitstudenten raushalten kannst und wie Du eine neutrale Position behältst. Softskills sind besonders in kleinen Masterstudiengängen, weil man auch unter ständiger Beobachtung der Dozenten steht und oft in Projekte des Studienganges eingebunden ist, für das dortige Überleben Grundvoraussetzung.

Viele Mitstudentinnen, haben zuviel nach links und rechts geschaut. Ich schaue immer nur auf das, was ich mir selbst als Anspruch gesetzt habe und da haushalte ich meine Energie rein. Insoweit sehe ich da für mich keine Gefahr für ein Burning out. Ich hatte sogar noch Zeit, um mich im Flüchtlingsheim in meinem Viertel helfend zu beteiligen. Die besagte Kommilitonin war sehr ehrgeizig und hat mich immer nach meiner Arbeit ausgefragt und ich habe ihr natürlich gesagt, was ich machen will. Ich habe niemanden gefragt, was er macht. Solange man sich auf den eigenen Weg konzentriert, wird man automatisch richtig gut.

Vollkommen unproduktiv ist z.B. lernen in der Gruppe. Da hat in der Regel nur der schwächere etwas davon und man selbst wird dadurch auch geschwächt. Besser ist, man lernt alleine. Ich habe mir mein System erarbeitet. Das funktioniert fast bei jedem Thema.

Ohne hohen EQ (nicht unbedingt IQ) kommst Du nicht so glatt durch ein Studium und auch nicht in einen guten Job.

Ich sehe Studium wie Sport. Ziel setzen und Ausdauer immer weiter vergrößern.

P.S. und man sollte ansatzweise interessiert sein, damit das Gehirn die Synapsen schön verknüpfen kann. Eine der besten Programmierer in meinem Bekanntenkreis ist übrigens eine Frau.
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Re: Verschiedene Studiengänge und die Motivation von Studentinnen

Beitragvon Uncoolman » 07.08.2018, 21:18

realchris hat geschrieben:
07.08.2018, 20:01

Vollkommen unproduktiv ist z.B. lernen in der Gruppe. Da hat in der Regel nur der schwächere etwas davon und man selbst wird dadurch auch geschwächt. Besser ist, man lernt alleine. Ich habe mir mein System erarbeitet. Das funktioniert fast bei jedem Thema.
Das sehe ich differenzierter. Es ist sicher so, dass man nichts Neues lernt, aber man lernt Altes durch Erklären. In der Regel lässt die Motivation, alleine zu lernen, ziemlich schnell nach, weil man sich selbst belügt. Deshalb sind beide Methoden unabkömmlich. Die Motivation, immer und immer wieder dasselbe zu wiederholen, mag in der Gruppe nervig wirken, weil keine Fortschritte erkennbar sind (so jedenfalls habe ich dich verstanden), aber genau diese erzwungene Motivation von außen fordert die Lernfähigkeit heraus. Das ist genau wie Sport: der Wettkampf zwingt dich zu erneuter Höchstleistung. In der Gruppe überprüft man das bereits Gelernte und ob man es überhaupt verstanden hat. Deshalb ist es nicht unproduktiv, sondern reflektorisch. Erst wenn du jemandem den Dreisatz, ein Integral oder die Zeitdilatation erklären kannst, so dass auch ein weniger helles Köpfchen sie versteht, hast du selbst sie verstanden. Da das Gehirn nun flexibel geworden ist - weil es sich um ganz andere Dinge kümmern musste, nämlich um soziale Kompetenz -, kann man hinterher auch besser "alleine" lernen - bis zum nächsten Mal.

Nebenbei festigen verschiedene Ansatzpunkte aus anderen Blickwinkeln das Gelernte (so wie auch verschiedene Sinne dabei helfen können), weil man beim Selber-Lernen in seinen gewohnheitsmäßigen Trott verfällt. Ich möchte also behaupten, dass beides seine Berechtigung hat. Nicht jedes zu jeder Zeit natürlich. Möglich, dass der prozentuale Anteil der Lernverfahren bei jedem anders verteilt ist, aber wenn du nie einem Kind erklären musstest, warum die Mondfinsternis rot ist, wirst du es auch als Dozent schwer haben, einem Studenten die Gasgesetze oder das objektorienteirte Programmieren zu erläutern (soviel zur sozialen Kompetenz von Dozenten...)

PS Ich bin auch kein begeisterter Teamspieler. Aber ich nutze die Gruppe, um mich fit zu halten...
Zuletzt geändert von Uncoolman am 07.08.2018, 21:27, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: Verschiedene Studiengänge und die Motivation von Studentinnen

Beitragvon Kikimora » 07.08.2018, 21:23

Haha. Da fällt mir so ein schönes Dozentenzitat ein.
Student:"Wie geht das?"
Dozent:"Das ist so einfach, dass ich es vergessen habe."

...
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Re: Verschiedene Studiengänge und die Motivation von Studentinnen

Beitragvon realchris » 07.08.2018, 23:30

" Es ist sicher so, dass man nichts Neues lernt, aber man lernt Altes durch Erklären."
Wenn es Altes ist, brauch dafür nicht mehr üben bzw. brauche ich dafür keinen Dummy (Ich mein jetzt nicht dumm, sondern die Puppe) zum üben. Das kann ich mir im Zwiegespräch (folgerichtiges Denken) selber simulieren.
Es geht vielmehr darum, dass wenn ich etwas neues lerne, ich schneller voran komme, als wenn ich noch jemanden mitschleifen muss.
In der verschwendeten Zeit kann ich 100 % mehr lernen, wenn ich das einfach selbst mache.

Das sportliche, jemanden beim Dauerlauf unter den Arm nehmen und ihn über die Ziellinie schleppen, betreibe ich gerne, allerdings nicht im Bereich des Fortkommens bzw. trenne ich da privat und beruflich bzw. Notenrelevanz von Freizeit. Wenn am Ende ne Note steht, bin ich mir selbst der nächste. Man ist ja nicht mehr in der Schule und die Note erhöht Chancen. Ob sie am Ende ausschlaggebend ist, ist egal. Man hat einfach mehr Einladungen.

Das heißt nicht, dass man keine soziale Kompetenz hat. Das heißt nur, dass ich weiß, wann sie angebracht ist und wann sie stört.

Selbst ein Psychopath kann hohe soziale Kompetenz haben. Der EQ ist nur eine Fähigkeit und keine moralische Größe. Und die sind nicht gerade Musterbeispiele für Geselligkeit.

Sinn würde Gruppenlernen für mich nur machen, wenn ich mit jemanden lerne, der entweder mehr kann als ich oder etwa auf meinem Level ist. Weil, dann haben wir beide etwas davon.
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